Sascha Klein und Patrick Hausding wollen sich bei der Wasserspringer- EM in Rostock im Synchronspringen durchsetzen. Foto: Ali Haider/dpaDie deutschen Wasserspringer treten mit hohen Zielen an. Vergeben werden auch Olympia-Quotenplätze.

Rostock – Nein, eine Medaillenprognose war Lutz Buschkow partout nicht zu entlocken. „Wir wollen an die vergangene EM anknüpfen und unter den Top-Drei-Nationen sein“, sagte der Chefbundestrainer der deutschen Wasserspringer vor den Europameisterschaften in Rostock. Von heute an bis Sonntag kämpfen 13 Deutsche in elf Wettbewerben um Edelmetall, Platzierungen und auch um Quotenplätze für Olympia 2016 in Rio. Vor zwei Jahren gab es in Rostock zwei Gold- und je vier Silber- und Bronzemedaillen. 2014 holten die deutschen Springer im Rahmen der Schwimm-EM von Berlin ebenfalls zehn Medaillen (3-3-4). Die OZ beantwortet alle wichtigen  Fragen zu den Titelkämpfen:

Welche Chancen haben die deutschen Starter? Die deutschen Hoffnungsträger heißen Patrick Hausding und Sascha Klein. Hausding war vor einem Jahr mit drei EM-Titeln erfolgreichster Springer. Der Berliner tritt diesmal auch im Team-Wettbewerb an, verzichtet dafür auf das Ein-Meter-Brett und wie auch Sascha Klein auf das Einzel vom Turm. Der Fokus liegt klar auf den olympischen Disziplinen Drei-Meter-Brett und Turm: Hier sichern die Einzel- und Synchron-Europameister ihren Ländern einen festen olympischen Startplatz für die Spiele in Rio. Nach seiner Schulterverletzung soll Martin Wolfram vom Turmwieder zu alter Stärke zurückfinden. Bescheidener sind die Aussichten bei den Frauen: Titel wären eher eine Überraschung, Medaillen sind für Tina  Punzel oder Nora Subschinski drin. Endgültig festgelegt werden müssen die Starts erst heute.

Hält die Serie? Sascha Klein und Patrick Hausding können ihre außergewöhnliche Serie verlängern. Seit 2008 gewannen die  amtierenden Weltmeister bei Europameisterschaften das Synchronspringen vom Turm. Ein neunter Titel in Serie ist mehr als  wahrscheinlich, wären da nicht ihre Verletzungen und Blessuren.

Sind Klein und Hausding fit genug? Klein verzichtet als WM-Dritter wegen seiner chronischen Schulterprobleme auf einen Einzelstart vom Turm. Auch Hausding plagt sich mit diversen Blessuren herum, beispielsweise macht die Patellasehne seit Jahren  Schwierigkeiten. Aber auch ohne viel gemeinsames Training hat das routinierte Duo oft genug Erfolge gefeiert. 

Wer sind die stärksten Kontrahenten? Vor allem die Ukraine und Russland wollen Deutschland Medaillen und Olympia-Quotenplätze streitig machen. Sonst ist die komplette europäische Elite am Start. Einzig die Briten schonen ihre besten Kräfte um Turm-Ex -Weltmeister Tom Daley für die WM in Kasan Ende Juli.

Warum sind keine Rostocker Wasserspringer am Start? Maxim Jerjomin, größte EM-Hoffung des WSC Rostock und eigentlich ein Kandidat für den Wettkampf vom Einmeterbrett, verpasste bei den Deutschen Meisterschaften vor drei Wochen in der Neptunschwimmhalle das Finale. Deshalb verzichtete Bundestrainer Lutz Buschkow auf eine Nominierung des 21-Jährigen.

Shootingstar Saskia Oettinghaus ist das größte Talent im weiblichen Bereich. Die 17-jährige Rostocker Schülerin gehört zum  deutschen Aufgebot für die erstmals stattfindenden Europaspiele, die vom 12. bis zum 28. Juni in Baku, der Hauptstadt  Aserbaidschans, ausgetragen werden. Die Europameisterschaften in diesem Jahr wären für sie noch zu früh gekommen. „Aber Saskia ist unsere große Hoffnung für die Zukunft“, sagt WSC-Trainer Michael Sachiasvili. Auf der Tribüne werden einige der jüngsten Rostocker Talente die Meisterschaften im Rahmen ihres EM-Trainingscamps verfolgen.

Was hat Rostock zu bieten? Die Neptunschwimmhalle atmet Tradition. 1955 wurde sie als eine der damals modernsten  Hallenschwimmbäder Europas mit 25-Meter-Bahn, Marmorsaal und Wandelgängen eröffnet. Nach millionenschweren Sanierungen erscheint der Komplex in altem Glanz. Die letzten Arbeiten wurden erst am vergangenen Wochenende abgeschlossen. Neben der Kurzbahn-EM 1996 finden dort alljährlich der internationale Springertag statt. Mitte Mai wurden als EM-Generalprobe auch die Deutschen Meisterschaften in der Rostocker Schwimm-Arena ausgetragen.

Ist die EM im TV zu sehen? Am Wochenende überträgt das ZDF jeweils die Entscheidungen im Einzel und Synchron vom Turm der Männer (Samstag/Sonntag jeweils ab 14.00 Uhr).